Was Golf-Deutschland auf gar keinen Fall braucht

Ein Kommentar von Horst Schubert:
In der Ausgabe 5/2023 des „golfmanager“ setzt sich der Autor Michael Althoff u.a. mit der Frage auseinander, ob Golf-Deutschland eine neue Strategie braucht. Mindestens von gleicher, wenn nicht sogar von größerer Bedeutung ist jedoch, was Golf-Deutschland auf gar keinen Fall braucht. Insbesondere den Aufgabenbereich der Führung von Golfanlagen betreffend, gibt es in diesem Zusammenhang einiges aufzulisten.

Was Golf-Deutschland auf seinen Golfanlagen definitiv nicht braucht, sind beispielsweise …

  • Entscheider – in welcher Funktion und in welchem Gremium auch immer, sowohl ehrenamtlich als auch hauptberuflich – die weder über die fachlichen noch über die sozialen Befähigungen für den von ihnen ausgeübten Job verfügen,
  • schulterklopfende Ja-Sager und Mitläufer, die „keinen Arsch in der Hose haben“, um unpopuläre, aber sachlich notwendige Maßnahmen zu vertreten und durchzusetzen,
  • Entscheider, denen es an professioneller Distanz zu Mitarbeitern, Clubmitgliedern und Geschäftspartnern fehlt und die sich respektlos verhalten,
  • Personen, die von „Work-Life-Balance“ faseln und bereits bei Absolvierung einer 40-Stunden-Woche an ihre physischen und psychischen Belastungsgrenzen stoßen,
  • Menschen, die sich gern mit der Übernahme eines repräsentativen Ehrenamtes schmücken und dort genau so wenig leisten wie zuhause im „eigenen Laden“, den sie auch nicht im Griff haben und wo das Chaos „fröhliche Urständ feiert“,
  • Personen, die respektlos anderen Menschen ungefragt ein „Du“ aufzwingen und allen Ernstes glauben, dass damit eine Vertrauensbasis geschaffen werden kann,
  • Menschen in Führungsverantwortung, die mit dem Begriff „Vorbild“ nichts anfangen können,
  • Vorgesetzte, die stets von ihrem „tollen Mitarbeiter- Team“ schwadronieren, gleichzeitig aber nicht einmal die Namen aller Mitarbeiter kennen,
  • Entscheider, die beratungsresistent und ignorant sind und bei denen Fehler immer nur die anderen machen,
  • sogenannte „Führungskräfte“, die nicht führen, sondern – sobald sie Gegenwind verspüren – „ihre Fahne in den Wind hängen“,
  • Entscheider, die ein Stützkorsett benötigen, weil sie kein Rückgrat haben,
  • Personen, die Verantwortung tragen (Verantwortung für die Mitarbeiter der Golfanlage, Verantwortung für das anvertraute Kapital der Clubmitglieder, Verantwortung für den Ruf der Golfanlage), sich dessen aber offensichtlich überhaupt nicht bewusst sind und den Begriff erst einmal googeln müssen, um dessen Bedeutung zu erkennen,
  • Personen. die versuchen, Probleme „auszusitzen“, in der Hoffnung, dass sich das Problem irgendwann von alleine löst oder in Vergessenheit gerät,
  • Menschen, die zwar ein Hochschulstudium in Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen haben, die sich aber trotzdem darüber wundern, dass die Zahlen auf den Kontoauszügen ihrer Betriebskonten mit einem Minus-Zeichen versehen sind, wenn auf Dauer mehr ausgegeben als eingenommen wird,
  • Menschen, die gern den Weg des geringsten Widerstandes gehen, auch wenn sie wissen, dass sie sich damit auf einem Holzweg befinden,
  • Personen, die unfähig sind, die Leistungen anderer anzuerkennen und zu würdigen, während hingegen die eigene Leistung gar nicht hoch genug bewertet werden kann,
  • Menschen, bei denen die Eitelkeit mit zu den am stärksten ausgeprägten Charakter - Eigenschaften zählt,
  • Menschen, deren „Blick über den Tellerrand“ spätestens an der Tischkante endet sowie.
  • sogenannte „Blender“, bei denen hinter einer rhetorischen Fassade die inhaltliche Leere lauert.


Solche Verhaltensweisen von Führungskräften – egal, ob ehrenamtlich oder hauptberuflich – wirken sich negativ auf die Atmosphäre und die Umgangsformen in einem Club aus und beschädigen das Image des Clubs. Als Konsequenz daraus steigt spätestens im September die Austrittsquote spürbar an. Die daraus resultierenden negativen betriebswirtschaftlichen Auswirkungen können sich die allerwenigsten Golfclubs bzw. Golfanlagen leisten. Aber glücklicherweise kommen die beschriebenen Negativ-Eigenschaften in der realen Praxis des Golfmanagements in Deutschland ja nicht vor. Oder vielleicht doch?

Auf einige dieser Negativ-Kriterien hatte der Autor bereits in seinem Artikel „Über Corona, Plattentektonik und den Messias“ (golfmanager 1/2021) hingewiesen. Hat sich nun in den vergangenen drei Jahren, vielleicht auch aufgrund der während der Corona-Pandemie gesammelten Erfahrungen, etwas zum Besseren verändert? Ehrlicherweise muss man diese Frage wohl mit „eher nicht“ oder sogar einem klaren „nein“ beantworten.

Und wenn man sich die Ergebnisse der Studie „Zukunft Golf – Golf Horizons“ von der Dr. Kutschera & Company – Change Management Consulting anschaut, bei der in 2023 bundesweit 1.403 Golfspieler aus 421 Golfclubs nach ihrem Golfspiel-Verhalten, ihren Wünschen und ihren Kritik-Punkten beim Golfsport befragt wurden, dann sind die genannten Negativ-Punkte nicht aus der Luft gegriffen.

Bemerkenswert bei den Befragungsergebnissen ist nämlich, dass die von den Befragten genannten Kritikpunkte überwiegend Verhaltensweisen von Mitarbeitern und Funktionsträgern thematisieren: „Mitglieder haben kein Mitspracherecht“, „keine Visionen und kein guter Umgang mit Menschen“, „teilweise elitäres Verhalten, Selbstherrlichkeit und Arroganz“, „Verhalten gegenüber Gästen / Mitgliedern indiskutabel und schon längst kündigungswürdig“.

Die Kritik richtet sich also weniger gegen „Sachmängel“ wie z.B. die Platzqualität oder die Qualität der Clubgastronomie, sondern in erster Linie gegen menschliches (Fehl-)Verhalten im Umgang miteinander.

Die Schwachstelle im Betrieb einer Golfanlage ist offensichtlich gar nicht so selten das Personal, insbesondere das Personal auf der Führungsebene. Dass diese Schwachstelle erhebliche negative betriebswirtschaftliche Konsequenzen haben kann, beispielsweise aufgrund von Minder-Einnahmen (z.B. erhöhte Fluktuation bei Mitgliedern und Sponsoren) und Mehr-Aufwendungen (z.B. durch schlecht verhandelte Einkaufskonditionen bei Platzpflegemaschinen, Dünger, Energie usw.), darauf wurde bereits hingewiesen.

Aber: Die Schwachstelle des einen Golfclubs ist die Stärke des anderen Golfclubs: Positive Verhaltensweisen werden von den Clubmitgliedern durchaus wahrgenommen und wertgeschätzt, wie einige Statements hierzu belegen: „nette Mitglieder, angenehme familiäre Atmosphäre“, „freundliches, kompetentes, tolles Personal“, „kompetentes Management“.

Solche Statements dokumentieren, dass es auch anders geht. Das muss man allerdings nicht nur wollen – das muss man auch können.

Die einleitende Frage, ob Golf-Deutschland eine neue Strategie braucht, ist mit diesen Ausführungen nicht beantwortet. Aber vielleicht ist deutlich geworden, dass eine möglicherweise fehlende neue Strategie auf so einigen deutschen Golfanlagen nicht das größte Problem für die zukünftige Entwicklung sein dürfte.

Horst Schubert, 20.01.2024
GMVD-Eherenmitglied, CCM 1 (2020)

Horst Schubert, CCM 1 (2020)
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